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Tauchreise Kolumbien mit Tauchsport Käser - November 2011

Tauchsport Käser Bern-Malpelo-Tour im Katamaran "Nemo" - Kolumbien 2011:

Käsers kleine Kaffeefahrt, Tauchen, verschiedene Monster, Party und andere Katastrophen

Am 13.11.2011 machten sich 6 bis dato einander mehr oder weniger bekannte Abenteuerlustige auf, um nach über einem Jahr Vorfreude und Planung bisher taucherisch noch eher unerforschtes Terrain in Kolumbien zu entdecken. Nach dem ersten Teilstück stiess in Madrid noch der 7. im Bunde, unser Chaker aus Zürich, welchen alle im weiteren Reiseverlauf ins Herz schlossen, dazu.

Im Duty-free wurden noch diverse nützliche Kleinigkeiten, wie Sonnenbrillen und verschiedene hochprozentige Alkoholika erworben, welche sich später noch als unentbehrlich erweisen sollten… Den ersten Verlust hatten wir bereits in Bogotà zu beklagen, nachdem wir durch die IBERIA erfolgreich tiefgefroren und durch zehnstündiges Zuhalten der Ohren mit den Knien bei reichhaltigem Platzangebot etwas steif in den Knochen sicher gelandet waren. Statt wie alle anderen brav das Gepäck durch den Zoll zu bugsieren und es dann wieder für den Weiterflug nach Cali einzuchecke,n erlag Mätthu seinen Süchten. Er zog das Rauchen und den Erstkontakt zu den Einheimischen (die netten AVIANCA-Meidschi…) unserer Gesellschaft vor, fand sich aber später glücklicherweise doch wieder an. Nach dem kurzen Inlandflug im Komfortflieger (IBERIA könnte sich mal ein Beispiel nehmen) wurden wir von unserem zu diesem Zeitpunkt noch ahnungslosen, fitten und gut aufgelegten Guide Turi, welcher uns auf der ganzen Reise begleiten durfte (?), herzlich begrüsst und nach Cali ins Hotel gebracht.

Nach der anstrengenden Anreise gings dann nach dem Nachtessen und erstaunlich wenig Bier auch bald ins Bett. Am nächsten Tag fuhren wir nach einer kurzen Stadtbegehung 4 Stunden im Privatbus von Cali nach Buenaventura. Auf der Fahrt gab es nicht nur eine grandiose Landschaft zu sehen (das Alternativprogramm lief via DVD im Bus), auch beeindruckend kaputte Strassen, chaotische Baustellen und erste kulinarische Experimente in Form von leckeren, mit reichlich Abgasen ausgezeichnet gewürzten Empanadas am Strassenrand waren zu bewundern bzw. zu verkosten.

Endlich in Buenaventura an der Pazifikküste angekommen, konnten wir nach einer mit Bier und Tapas erträglichen Wartezeit endlich unser Zuhause für die nächsten Tage, den Katamaran Nemo, in Besitz nehmen, wo uns die gesamte Crew herzlich willkommen hiess. Bald wurde der Anker gelichtet und wir stachen zunächst in Richtung der Insel Gorgona in See, welche wir am nächsten Morgen erreichten. Dort wurden nach einem kurzen Abstecher auf die Insel drei Tauchgänge zum Angewöhnen absolviert. Noch am selben Abend begann dann die lange Überfahrt nach Malpelo, dem eigentlichen Ziel unserer (Tauch-)Träume. Diese Insel liegt 500 km vor der kolumbianischen Küste im Pazifik und sollte nach unseren Recherchen ein Grossfischparadies sein. Streng genommen handelt es sich also um einen unbewohnten Felsklumpen irgendwo im Nirgendwo, nur mit ein paar Angehörigen des Militärs und tausenden Maskentölpeln (das sind Vögel!) bestückt, welche wohl im Falle eines taucherischen Problems jeglicher Art keine echte Hilfe gewesen wären. Aber wir sind ja schon gross und sooo vernünftig… Am übernächsten Morgen gegen 3 Uhr erreichten wir schliesslich unser Ziel nach relativ ruhiger Überfahrt, nachdem wir nachts lediglich mal kurz den Anker verloren hatten (er konnte aber zum Glück wieder „eingefangen“ werden). Die nächsten Tage verliefen dann nach dem altbewährten Tauchsafari-Muster: tauchen, essen, schlafen.

Die Tauchgänge waren teils wirklich spektakulär, häufig Hammerhaie bis zum Abwinken, auch mal Galapagos- und Seidenhaie. Problem: Die Plätze im Hammerhaikino mussten meist rigoros gegen mudrige Muränen verteidigt werden, die rund um Malpelo massenhaft vorhanden und grösstenteils leider obdachlos, soll heissen freischwimmend, auftreten. Auch die wollten offenbar gern die besten Tribünenplätze haben, zogen dann aber regelmässig gegen uns den Kürzeren. Zudem gab es noch komische blitzende Unterwasservelo-Fische, welche gern mal die Haie verscheuchten und daher mühsam in Schach gehalten werden mussten. Strömung gab es immer, mehr oder weniger heftig. Für Housi, unseren alten Kampftaucher mit 25 Jahren Erfahrung und etwa 30 Tauchgängen auf dem Buckel kein Problem, Dänu verpasste ihm den letzten Schliff und half auch mal bei gelegentlichen Luftengpässen aus. Nach der Reise hatte Housi dann endlich genug Tauchgänge und Erfahrung gesammelt, um offiziell in Malpelo tauchen zu dürfen. Laut Guide Turi sollte es an einem Platz ein „Monster“ auf ca. 60 m geben, einen Smalltooth-Sandtigerhai, es existierte sogar ein Video davon auf seinem Laptop. Aber wer glaubt schon solches Taucherlatein? Also machten sich 3 bereits besonders Stickstoffgeschädigte von uns gemeinsam mit Turi zum Beweisantritt auf. Wir haben wirklich alles gegeben: Wir haben gelernt, dass man auch unter Wasser einen Tauchcomputer mittels Messer problemlos zum Rest bewegen kann, dass Ralf unbedingt die grösste Tiefe auf dem Tacho haben muss, dass Finimeter manchmal auch bei leerer Flasche noch Druck vorgaukeln und dass Mädchen eben doch den geringsten Luftverbrauch haben. Nur das Monster hat sich nicht blicken lassen. Wäre ja auch zu schön gewesen… Auch zwischen den Tauchgängen haben wir uns nicht gelangweilt: -Studium der heimischen Tierwelt: Aufopfernde Rettung eines kleinen Tölpels, der offensichtlich aus dem Nest gefallen war, durch Turi, ooooohhhhhh. Anderer (ausgewachsener) Tölpel zuerst in Ralphs Kabine, dann an seiner Wade hängend… Krebs in Mätthus Dusche. Möwe als ständige Besatzung unseres Zodiaks. -Abenteuer Dusche: Gibt es heute Wasser? Wieviel? Warm oder kalt? -Unterricht der Einheimischen in Sachen Berndütsch: Vincente, der beste Zodiakfahrer des Pazifik: aua. -Fortbildungen in BWL: Kundenbindung, Konkurrenz aus dem Internet, neueste Tauchausrüstung (Haben muss!!!). Danke für die Fortbildung, Dänu. Kein Veranstalter von Kaffeefahrten könnte es besser als Du!

-Kapitän William, ein Schrank von einem Mann, hat keine Frau aber dafür ein Haus auf San Cristobal (Galapagos), steht auf reifere Damen und schaut gern die Sterne an (auch wenn’s bewölkt ist). Wenn eine Gruppe von Tauch- (oder Sauf-?)sport Käser da ist, muss der Biervorrat anders kalkuliert werden, um Engpässe ab Tag 3 zu vermeiden. Zum Glück gab es von der guten Seele der Nemo, Roberto, immer Mas Hugo, welcher mit dem mitgebrachten Alkoholtuner trinkbar gemacht und so unser Pegel erfolgreich gehalten werden konnte. Unsere abendliche Kondition steigerte sich im Laufe der ersten Woche deutlich, sollte sich aber immer noch als ausbaufähig erweisen. Auch unser, was Bestellungen von Getränken und anderen essentiellen Dingen angeht, zwischenzeitlich perfektes Spanisch sollte noch zum Einsatz kommen.

Alles hat mal ein Ende, so auch die Zeit auf der Nemo. Also ging es am 23.11. von Buenaventura via Empanada-Halt, Cali und Bogotà (leider hatten die netten AVIANCA-Mitarbeiterinnen wohl frei, Trost erfolgte mit Rum-Cola) mit dem Komfortflieger nach Cartagena an der Karibikküste. Beide Abende verbrachten wir in der wunderschönen kolonialen Altstadt und im nicht minder schönen Hotel bei ausschweifenden Parties und stellten fest, dass besonders die verbotenen Dinge viel Spass bereiten und die Getränkepreise in den einschlägigen Clubs doch stark variieren. Stimmts, Ralph?

Getaucht wurde in Cartagena auch, von einer Nussschale aus mit einem offenbar nicht sehr navigationssicheren Guide (er hat den Rückweg aber dann doch ohne unsere kompetente Hilfe gefunden) und an einem eigentlich schönen Wrack, was jedoch durch Bielersee-Sicht seine Schönheit gut für sich behalten konnte. Zu guter Letzt erfolgte ein Privatbus-Transfer nach Taganga, einem beschaulichen Fischerdorf oder besser Hippie-Kaff. Problem: Bis uns der Bus alle eingesammelt hatte, hatte der Fahrer bereits eine Hausecke gerammt und einen Fischwagen demoliert, was eine Seitenscheibe nicht gut vertragen hatte und uns so auf der Fahrt als Simulator für das Alter mit grauem Star diente. Auch hier gab es eine gut sortierte Gastronomie mit wirklich allem, was das Herz so begehrt... Als Party-Location diente die dekadente Hotel-Suite, welche sich Dänu und Mätthu gegen Zahlung eines geringen Aufpreises gegönnt hatten. Auch Dänus gute Beziehungen und Spanisch-Kenntnisse trugen wiederum zum Gelingen der Veranstaltungen erheblich bei.

Getaucht wurde hier noch an 2 Tagen, wobei es die Autorin vorzog, sich durch Zuziehen eines Handgelenkbruches einen Tag früher aus dem Tauchbetrieb zu verabschieden, um stattdessen als Chirurgin die Konkurrenz in Kolumbien mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Fazit: Kolumbianische Spitäler sind nicht wirklich empfehlenswert, schon gar nicht ohne Spanischkenntnisse. An dieser Stelle nochmals tausend Dank an Turi, ohne dessen Hilfe ich wahrscheinlich dort zwangsweise operiert worden wäre. So musste lediglich Doktor Ralph nach den Vorgaben des „Opfers“ den kolumbianischen Monstergips mit einer rostigen Säge von der Tauchbasis etwas „ummodellieren“. Irgendwie waren es komische Tage in Taganga…

Auch die schönste Reise geht einmal zu Ende. Am 29.11.2011 landeten alle mehr oder weniger wohlbehalten wieder im nasskalten Zürich. Allerdings waren wir spätestens nach den Tagen in der Karibik völlig übermüdet und ferienreif. Am meisten hat es wohl aber unseren Turi erwischt. Völlig mitgenommen und um einige Jahre gealtert war er bestimmt froh, als er uns am Vortag in Bogotà endlich wieder „abgeben“ konnte. Ob der uns wohl noch mal mitnimmt??? Immerhin konnten wir ihn vielleicht doch mit Steffis Suunto D 6, welchen wir ihm zum Abschied geschenkt hatten, ein wenig für die verlorenen Jahre seines Lebens entschädigen.

An dieser Stelle vielen Dank an Dänu für die langwierige Reiseplanung, Turi für die super Tourbegleitung (und das Stehvermögen) und an alle Mitreisenden für die tolle Zeit.

Birgit Kressner

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